Unser Reisetagebuch: Nordindien Rundreise
15.–22. Februar
Unser Reisetagebuch: Nordindien Rundreise
15.–22. Februar
Eine Reise zwischen Luxus und Armut.
Zwischen Stille und Chaos.
Zwischen Geschichte und Gegenwart.
Indien war keine Reise, die man einfach „macht“. Indien war etwas, das mit uns passiert ist. Wir sind mit Erwartungen angekommen – neugierig, vielleicht auch ein wenig vorbereitet auf das, was man so hört. Aber nichts bereitet einen wirklich vor auf diese Intensität.
Dieses Land ist laut und leise zugleich. Es kann dich überfordern – und im nächsten Moment tief berühren. Zwischen Luxus und Armut, zwischen Stille im Tempel und hupendem Verkehr, zwischen Geschichte und Gegenwart haben wir nicht nur Orte gesehen – wir haben Kontraste gespürt.
Dieses Tagebuch ist kein Reiseführer. Es ist unser Versuch, diese Woche festzuhalten.
15.02.2026- Delhi
Heute sind wir in Delhi gelandet. Schon beim Aussteigen aus dem Flugzeug spürt man: Hier ist alles intensiver.
Am Flughafen wurden wir abgeholt und sind direkt zum Frühstück ins Cafe Tesu gefahren.
Nach dem Check-in im The Ashtan Sarovar Portico konnten wir kurz ankommen.
Am Nachmittag ging es weiter nach Hauz Khas.
Vorher machten wir eine Pause in einem Café und probierten Streetfood – das war beeindruckend.
Mitten im modernen Viertel liegen die Ruinen einer alten Medrese aus dem 14. Jahrhundert:
alte Steinbögen, ein stiller See und mittelalterliche Mauern.
Am Abend dann Dinner im Bukhara im ITC Maurya. Rauch aus dem Tandoor, kräftige Gewürze, warmes Naan direkt aus dem Ofen.
16. Februar – Kontraste
Heute hat uns Delhi von einer anderen Seite empfangen. Am Vormittag haben wir in Delhi einen beeindruckenden Brunnen besichtigt. Es handelt sich um einen sogenannten Stufenbrunnen – eine historische Wasseranlage, die mehrere Stockwerke tief in die Erde führt.
Wir fuhren mit einem Tuk-Tuk nach Chandni Chowk. Sieben Personen in dieser winzigen Metallkapsel.
Ich saß am Fenster, ganz nah am Geschehen. Der Fahrer brachte uns für fünf Euro quer durch das Verkehrsgewirr. Hupen. Dauernd.
Staub. Menschen überall.
Und dann der Markt.
Enge Gassen. Improvisierte Stände. Unmittelbare Armut. Bettelnde Kinder. Es war laut, dicht, überwältigend. Wir stiegen auf Fahrradrikschas um.
Unser Fahrer kämpfte sich vorsichtig durch das Gedränge, Zentimeter für Zentimeter.
Gewürzgeruch mischte sich mit Abgasen. Über uns ein Geflecht aus Kabeln. Links und rechts Stoffe, Schmuck, Lebensmittel.
Der Kontrast zum Vorabend war groß.
Gestern Eleganz. Heute ungefilterter Alltag.
Raj Ghat – Stille nach dem Lärm
Vom Markt aus fuhren wir mit dem Bus weiter zum Raj Ghat.
Ein weiter, gepflegter Park. Rasenflächen, Bäume, klare Wege. In der Mitte die schwarze Marmorplatte – das Mahnmal für Mahatma Gandhi.
Barfuß gingen wir näher. Es war ruhig. Die Atmosphäre würdevoll. Nach dem Trubel des Marktes wirkte dieser Ort fast entschleunigend.
Mittagessen – Austausch
Beim Mittagessen sprachen wir viel über den Vormittag. Jeder hatte die Eindrücke anders wahrgenommen. Delhi zeigt innerhalb weniger Stunden extreme Gegensätze – und genau das macht diese Stadt so eindrücklich
Qutub Minar – Geschichte in Stein
Am Nachmittag standen wir vor dem Qutub Minar. 73 Meter hoch. Aus rotem Sandstein. Begonnen im Jahr 1193 unter Qutb-ud-din Aibak.
Er errichtete das erste Geschoss. Sein Nachfolger vollendete die weiteren Etagen. Nach einem Blitzschlag im 14. Jahrhundert wurde der obere Teil erneuert.
Das Minarett markiert den Beginn des Delhi-Sultanats –einen historischen Wendepunkt in Nordindien.
In Indien sieht man oft Menschen beim Haareschneiden oder Duschen – das gehört hier ganz selbstverständlich zum Alltag.
Nach dem Minarett kehrten wir in ein exklusives Café ein – ein Ort, der deutlich machte, dass es in Delhi auch eine wohlhabende, urbane Elite gibt.
Später fuhren wir ins Zentrum, nach Connaught Place, ins Hard Rock Cafe New Delhi.
17. Februar – Ein stiller Beginn
09:00 Uhr – Abfahrt vom Hotel.
Unten vor dem Eingang gab es noch eine laute Diskussion zwischen dem Hotelpersonal und unserem Chauffeur, weil er direkt vor dem Hotel geparkt hatte, doch nach kurzer Aufregung fuhren wir los.
Unser Ziel war der Lotus Temple. Schon von außen beeindruckt die Architektur: eine riesige Lotusblüte aus weißem Marmor, gebildet aus 27 geschwungenen Marmorschalen. Klar, symmetrisch, fast schwerelos. Im Inneren herrscht absolute Stille. Keine Bilder, keine Symbole – nur Raum.
Um 10 Uhr begann eine kurze Zeremonie. Aus verschiedenen Religionen wurden Texte vorgesungen. Ruhig, schlicht, ohne Predigt. Es war berührend.
Dieser Tempel verbindet Religionen, ohne Unterschiede zu betonen. So sollte es sein. Wir blieben etwa eine Stunde – und gingen ruhiger hinaus, als wir gekommen waren.
17. Februar – Agra
Nach etwa 3,5–4 Stunden Fahrt sind wir in Agra angekommen. Im Radisson Hotel Agra haben wir eingecheckt, uns frisch gemacht und kurz ausgeruht.
Am Abend sind wir ins The Oberoi Amarvilas zum Essen gefahren. Von der Terrasse aus hatten wir direkten Blick auf den Taj Mahal.
18. Februar – Taj Mahal & Agra Fort
Heute war der große Tag. Am Morgen standen wir vor dem Taj Mahal. Unser Guide war wunderbar – ruhig, humorvoll, voller Geschichten.
Er erzählte nicht nur Fakten, sondern machte den Ort lebendig. Und er hat uns großartige Fotos gemacht.
Der Taj Mahal beeindruckt vor allem durch seine perfekte Symmetrie. Alles ist ausbalanciert. Jede Linie gespiegelt.
Und dann die optischen Täuschungen:
Die Schrift am Eingang wird nach oben größer, damit sie von unten gleichmäßig wirkt.
Die Minarette sind minimal nach außen geneigt – falls sie einstürzen, fallen sie vom Mausoleum weg.
Kurz zur Geschichte:
Shah Jahan ließ den Taj Mahal ab 1632 für seine geliebte Frau Mumtaz Mahal bauen, die bei der Geburt ihres 14. Kindes starb.
Er trauerte tief um sie. Der Taj ist kein Palast, sondern ein Grabmal – eine Liebeserklärung aus Marmor.
Man spürt dort etwas. Nicht nur Architektur.
Nachdem wir das Taj Mahal besichtigt hatten, gingen wir in ein Geschäft für Marmorprodukte, in denen Halbedelsteine eingelegt werden. Wir sahen, wie aus weißem Marmor und eingelegten Halbedelsteinen wunderschöne Stücke entstehen. Die Technik nennt sich „Pietra Dura“ – genau wie im Taj Mahal.
Tische, Schalen, kleine Kunstwerke – alles in Handarbeit. Einzigartig.
Danach besuchten wir das Agra Fort.
Auch dieses Bauwerk beeindruckt – massiv, geschichtsträchtig. Wir sahen die Räume der Prinzessinnen, den Bereich des Harems. Offiziell hatte der Sultan drei Ehefrauen, inoffiziell sollen es bis zu 300 Frauen gewesen sein. Der Harem lag genau gegenüber den Gemächern der Prinzessinnen. Unser Guide erzählte, dass im Garten Feste stattfanden – mit Musik und Tanz. Und dann die tragische Wendung: Shah Jahan wurde von seinem eigenen Sohn gestürzt und im Fort eingesperrt – in einem Raum mit Blick auf den Taj Mahal.
Er verbrachte seine letzten Jahre damit, auf das Grab seiner geliebten Frau zu schauen.
Danach besuchten wir erneut eine Werkstatt zur Teppichherstellung, gefolgt von einem Showroom mit Verkaufsabsicht. Außerdem tranken wir gereiften indischen Cognac.
20.02. Jaipur
Um 8:30 Uhr war unser Guide in der Hotellobby. Er heißt Daulat und hat uns durch den Vormittag begleitet.
Unser Programm begann mit dem Elefantenritt zum Amber Fort. Ehrlich gesagt hatte ich ein bisschen Angst. Es war für mich eher eine Attraktion als ein wirkliches Vergnügen – interessant zu erleben, aber nicht unbedingt etwas, das ich nochmal machen würde.
Anschließend sahen wir das Jal Mahal, den „Wasserpalast“, der mitten in einem See liegt. Von außen wirkt er sehr ruhig und fast märchenhaft, als würde er auf dem Wasser schweben.
Ein echtes Highlight war Jantar Mantar – eine beeindruckende astronomische Anlage. Dort konnte man sehen, wie präzise früher Zeit gemessen wurde. Alles ist riesig gebaut und basiert auf Sternzeichen, Sonnenstand und astronomischen Berechnungen. Wirklich faszinierend!
Um 13:00 Uhr trafen wir uns in der Stadt zum Mittagessen. Das Essen war leider ziemlich schlecht – eher wie in einer Kantine. Danach waren wir aber in einem sehr angenehmen Café, was das Ganze wieder ausgeglichen hat.
Es folgte eine kurze Vorführung zur Schmuckherstellung und danach Shopping. Snezhi hat für ihre Schwiegermutter eine Kette für 400 Euro gekauft. Interessant ist dieses System in Indien: Man wird zu bestimmten Geschäften und „Fabriken“ gebracht, angeblich für Workshops, aber eigentlich geht es darum, dass man etwas kauft.
Danach besuchten wir einen Krishna-Tempel, der mir unglaublich gut gefallen hat. In den Tempeln muss man die Schuhe ausziehen, was dem Ort noch mehr Ruhe und Besonderheit gibt.
Am Ende des Tages folgte der Check-in im Jaipur Marriott Hotel – und hier kann ich wirklich nur Superlative verwenden: alles ist wunderschön, elegant, sehr sauber und das Essen ist hervorragend.
Am Abend haben wir sogar Yoga gemacht – ein perfekter Abschluss für den Tag.
21.02. Jaipur (letzter Tag)
An unserem letzten Tag sind wir zuerst zum sogenannten „Affentempel“ gegangen. Dort haben wir uns mit den Affen fotografiert – ein lustiges, aber auch etwas chaotisches Erlebnis.
Danach wurden wir in eine „Fabrik“ für Blockprint gebracht. Die Technik selbst war interessant, aber die Preise waren stark auf Touristen ausgerichtet. Man hat mir eine Pyjama verkauft, angeblich aus Seide – im Nachhinein bin ich mir ziemlich sicher, dass das nicht stimmt. Aber gut, es bleibt eine Erinnerung.
Endlich wurden wir anschließend in eine richtige Einkaufsstraße gebracht. Dort waren die Preise normal und die Menschen sehr freundlich. In einem Juweliergeschäft haben sie uns sogar schöne Ketten selbst gemacht.
Was mir überall aufgefallen ist: Wenn man einkaufen geht, bekommt man fast immer etwas angeboten – Tee, Kaffee oder sogar Rum. Das gehört einfach zur Gastfreundschaft dazu.
Es ist Zeit, Abschied zu nehmen.
Ein letztes Foto mit unserem Chauffeur, der sich die ganze Woche über geduldig und zuverlässig um uns gekümmert hat. Er war immer pünktlich, ruhig im Verkehr und hat uns sicher durch all das Chaos gebracht.
Man vergisst leicht, dass Menschen in solchen Berufen hier oft nur etwa 200 Euro im Monat verdienen und stark auf Trinkgeld angewiesen sind.
Ravindra hat uns empfohlen, etwa 20 Euro pro Person zu geben. Nach dieser Woche fühlt sich das mehr als gerecht an.
Mit einem Händedruck, einem Lächeln – und einem Foto – endet unsere Reise.
Insgesamt kann ich sagen, dass die Inder sehr freundliche und gastfreundliche Menschen sind.
Und was die Reise betrifft – es war ein unglaubliches Erlebnis, voller Eindrücke, Farben und Emotionen, das ich sicher nie vergessen werde.
Nur zum Spaß machten wir ein paar lustige Fotos mit Hilfe von KI.